Mobilität und Wohnen auf dem Land

Transferbesuch am 14. und 15. Juli 2026 in Siegen und der Region Südwestfalen

Programm (PDF, 193 KB)

Alte Industriehallen, aus denen ein innovatives Wohngebiet entstehen soll – eine ikonische Fachwerkstadt im Siegerland, die nahezu autofrei werden soll: Auf unserer Exkursion nach Südwestfalen haben wir Projekte kennengelernt, in denen Wohnen und Mobilität im ländlichen Raum neu gedacht wird und die die regionsübergreifende Strategie der Regionale Südwestfalen erhalten.

Übergreifendes Konzept für eine Region

Zur Vorbereitung der Exkursion stellten Stefanie Arens und Mario Ziogas von der Südwestfalenagentur die Strategie und Methodik der Regionale Südwestfalen vor. Dabei konzentrierten sie sich auf die Themen Wohnen und Mobilität in der Region. Diese hat viel Potenzial: zahlreiche Hidden Champions, eine Naturlandschaft, die zur Erholung einlädt, und große Flächen und Räume – demgegenüber stehen bekannte Phänomene des demografischen Wandels wie Überalterung und Abwanderung. 

In Südwestfalen tritt man dieser Spannung mithilfe eines großangelegten Konzepts aus unterschiedlichen Strategien und Projekten entgegen. Ein Beirat unterstützt beispielsweise eine regionsübergreifende Mobilitätsstrategie:  Es entstehen Aktionsfelder wie betriebliche Mobilität oder lebenswerte Ortsmitten. Dazu: passende Projekte, die wir exemplarisch am nächsten Tag zu sehen bekamen.

Mit dem Bus machten wir uns am nächsten Tag in die Region rund um Siegen auf den Weg, um vier dieser Projekte zu besuchen.
 

Wohnen in Kreuztal-Ferndorf

Auf unserer ersten Station, einer zwischen Bahn und Ferndorfbach gelegenen Industriebrache in Kreuztal-Ferndorf, stellte uns die Baustadträtin Christina Eckstein die Pläne des Projekts "holz.stahl.digital - modernes Wohnen und Arbeiten im Ferndorftal" vor. Auf der Fläche eines ehemaligen Röhrenwerks soll ein hochwertiges Quartier mit verschiedenen Wohnformen vom Geschosswohnungsbau bis zum Tiny House, mit Co-Working und Co-Living sowie Kultur- und Eventlocation in der historischen Tonnendachhalle entstehen. 

In und zwischen den ehemaligen Werkshallen vermittelte uns die Baustadträtin einen Eindruck der Planungen und Herausforderungen. Was 2019 begann, nimmt zunehmend Formen an – und das verdeutlichte den Teilnehmenden: Ein solches Projekt braucht Zeit. In den nächsten Jahren steht der Abriss und die Altlastensanierung an, bevor der Umbau beginnen kann.

Drei Höfe Drolshagen

Auf dem Weg zu unserem nächsten Treffen im Rathaus Drolshagen konnten wir kurz vor dem Ortseingang einen Blick auf die Fläche werfen, auf der das Projekt "Drei Höfe Drolshagen" entstehen soll. Was sich konkret dahinter verbirgt, erklärte uns Bürgermeister Ulrich Berghof. Mit dem Projekt möchte man neue Wege gehen und ein Quartier schaffen, das Raum für verschiedene Formen des Wohnens, Zusammenlebens und Arbeiten bietet. Das Konzept orientiert sich dabei an den Bedürfnissen der Menschen und dem schonenden Umgang mit Ressourcen. Ganz bewusst sieht die Planung mehrgeschossige Gebäude und keine weiteren Einfamilienhäuser vor. Nicht weil diese Wohnform unerwünscht ist, sondern weil in Drolshagen kleinteiliger und bezahlbarer Wohnraum benötigt wird. So können beispielsweise junge Menschen eine kostengünstige Bleibe in Drolshagen finden und müssen nicht nach Olpe abwandern. Und auch die Mobilität wird unter dem Motto "Nutzen statt Besitzen" neu gedacht.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig ein “Kümmerer” ist, der hinter dem Projekt steht und es beharrlich vorantreibt. Bürgermeister Berghof berichtete, wie auch er selbst erst von der Idee überzeugt werden musste und seitdem mit Unterstützung des Soziologen Andreas Knie auch die Bürgerschaft hinter dem Projekt vereint hat. Ein Selbstläufer ist dieses Projekt allerdings nicht: Unstimmigkeiten mit den Genossenschaftlern und den Eigentümern einzelner Flächen verzögern die Umsetzung. Die Verantwortlichen bleiben dennoch zuversichtlich, möglichst viele Ideen aus dem Masterplan verwirklichen zu können.

"Autofreier Alter Flecken" in Freudenberg

In Freudenberg stellte uns die Projektleiterin der Stadt, Inken Daley, das Konzept des "Autofreien Alten Flecken" vor. Die malerische Fachwerksiedlung mitten in Freudenberg wird seit gut fünf Jahren gemeinsam mit den Menschen vor Ort vom Autoverkehr befreit und zu einem lebenswerten Ort mit Treffpunkten, Ruhemöglichkeiten und viel Grün umgestaltet. Denn: Die kleinen Grundstücke in der historischen Altstadt bieten kaum Platz für Gärten. Das Leben draußen findet auf der Straße statt.

Nachdem auf den vorangegangenen Stationen unsere Vorstellungskraft gefordert war, konnten wir in Freudenberg das Projekt direkt erleben und die Sonne in den neu entstandenen Pocket-Parks genießen – die kleinen, gärtnerisch gestalteten Räumen mit Sitzgelegenheiten und Trinkbrunnen . Darüber hinaus erfuhren wir mehr über das Mobilitätskonzept mit Quartiersgarage und Sharing-Angeboten und bekamen ein Gefühl dafür, was gute Fotomotive in Zeiten der Influencer bedeuten, um die Stadt touristisch zu vermarkten.

"COCH*", das gestapelte Dorf in Burbach

Die letzte Station unserer Route führte uns nach Burbach in die LEADER-Region 3-Länder-Eck. Hier erwartete uns mit "COCH*" ein vielfältiges Projekt des ansässigen Heimatvereins. Gemeinschaftlich füllen die Menschen den ehemaligen Gasthof in der Ortsmitte Stück für Stück mit neuem Leben und schaffen so einen Treffpunkt in der Ortsmitte. Zurecht trägt das Projekt auch den Namen "gestapeltes Dorf", vereint es doch auf den verschiedenen Etagen gleich mehrere Vorhaben unter einem Dach.

In der Ehrenamtskneipe im Erdgeschoss erläuterten uns die Regionalmanagerin Stefanie Schmid und der Vorsitzende des Heimatvereins Volker Gürke bei Kaffee und Kuchen den Werdegang des Projektes und die Bedeutung für die gesamte Region. Anschließend nahm uns Paul Maier auf eine Reise durch das Gebäude in der Zukunft mit: zunächst virtuell in einer Präsentation und dann auch vor Ort. Wir erkundeten die Dorfwerkstatt, einen in Bau befindlichen Co-Working-Space und standen kurz darauf auf der Baustelle. So konnten wir den Baufortschritt miterleben und sahen zudem die parallel entstehende Pension im Geschoss darüber.

Das Engagement der Menschen in Burbach beeindruckte die Teilnehmenden: Hier engagieren sich regelmäßig über 150 Personen in Angeboten und Projekten des Heimatvereins.

Fazit

Es ist wichtig, die Menschen vor Ort mit einzubeziehen und sie von neuen Ideen zu überzeugen. Die Dorfgemeinschaften und Planenden brauchen am Ende vor allem einen langen Atem: So zeigte sich deutlich, wie schwierig es ist, langfristige und auf Nachhaltigkeit angelegte Projekte zu verwirklichen und die Menschen vor Ort über lange Planungs- und Ausführungszeiten motiviert zu halten. Eine gute Idee der Regionale: die Verleihung von Sternen im Prozess, um den Fortschritt der Projekte auch in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Kontakt

Moritz Kirchesch
0228 68 45 39 68
Moritz.Kirchesch@ble.de

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