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Großflächige Beweidung mit robusten Rinder- und Pferderassen sowie Wasserbüffeln kann Landschaften auf naturnahe Weise gestalten und gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten schaffen. Niedrige Besatzdichten, große zusammenhängende Weideflächen und eine möglichst lange Weidesaison schaffen eine Landschaft aus kurzrasigen Bereichen, Hochstauden, Gehölzen, offenen Bodenstellen und Gewässern. Damit kann die großflächige Beweidung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Regeneration artenreicher Landschaften leisten.

Bei der großflächigen Beweidung steht nicht die maximale Futterausnutzung im Vordergrund. Entscheidend ist vielmehr, dass Weidetiere auf ausreichend großen Flächen möglichst selbstständig ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können und dabei die Landschaft gestalten.
Typisch sind niedrige Besatzdichten von etwa 0,2 bis 0,5 Großvieheinheiten (GVE) je Hektar (ha). Als besonders geeignet gelten große, zusammenhängende Flächen von mehr als 20 Hektar – idealerweise ab etwa 100 Hektar. In diese Flächen können unterschiedliche Landschaftselemente wie Wald, Gebüsche, Gewässerufer, Quellen oder Feuchtbereiche einbezogen werden.
Angestrebt wird eine lange beziehungsweise ganzjährige Weidesaison. Während der Vegetationsruhe oder in Notzeiten kann eine geringe Zufütterung erforderlich sein. Eingesetzt werden robuste, großrahmige Tiere, die mit den Bedingungen einer extensiven Weidehaltung gut zurechtkommen. Dazu gehören beispielsweise deutsche Angus Rinder, Exmoor-Ponys und Wasserbüffel.
Auch beim Medikamenteneinsatz unterscheidet sich die großflächige Beweidung von intensiveren Haltungssystemen: Eine routinemäßige, prophylaktische Parasitenbehandlung wird möglichst vermieden, um eine schädigende Wirkung auf Dunginsekten zu reduzieren. Behandlungen erfolgen gezielt, wenn ein entsprechender Befund vorliegt.
Merkmale großflächiger Beweidung auf einen Blick
Großflächige Beweidung ist kein neues Konzept. Große Pflanzenfresser prägen Landschaften bereits seit Millionen von Jahren. Im Pleistozän formten ziehende Pflanzenfresser und Megaherbivoren wie Auerochsen, Wildpferde, Wisente und Rothirsche durch Fraß, Tritt und Dung die Vegetation.
Mit der Domestikation von Tieren im Neolithikum übernahmen Nutztiere zunehmend Funktionen, die zuvor von wilden Pflanzenfressern erfüllt worden waren. Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen gestalteten die Landschaft und machten die Nutzung von Grünland für den Menschen möglich.
Erst vor etwa 100 Jahren setzte sich die maschinelle Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden durch. Die Mahd mit modernen Maschinen ist im Vergleich zur jahrtausendealten Weidenutzung eine sehr junge Form der Landschaftspflege.
Der Unterschied ist ökologisch bedeutsam: Während eine Mahd die Vegetation innerhalb kurzer Zeit großflächig und weitgehend einheitlich entfernt, erzeugt Beweidung ein räumlich und zeitlich differenziertes Mosaik. Tiere fressen selektiv, bewegen sich unterschiedlich häufig durch einzelne Bereiche, treten den Boden und hinterlassen Dung. Dadurch entstehen gleichzeitig kurzrasige Flächen, höhere Vegetationsbestände, offene Bodenstellen und Bereiche mit Gehölzen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ganzjährige beziehungsweise naturnahe Beweidung die Pflanzenvielfalt und die strukturelle Vielfalt von Grünland fördern kann. In einer zwölfjährigen Untersuchung auf einem 90 Hektar großen Weidegebiet in Sachsen-Anhalt wurden beispielsweise positive langfristige Effekte der ganzjährigen Pferdebeweidung auf artenreiche Kalkmagerrasen dokumentiert. Untersuchungen zu gemähten Flächen zeigen zudem, dass die Auswirkungen der Mahd auf Insekten erheblich sein können. Entscheidend sind dabei unter anderem Zeitpunkt, Häufigkeit und Art der Mahd.
Daher sind Schutzmaßnahmen wie naturschutzgerechte Mahdprogramme kein Ersatz für eine dynamische, von großen Pflanzenfressern geprägte Landschaft. Auch Landschaftselemente können durch die Aufgabe der Beweidung verschwinden. So wurden vielerorts kleine Weidetümpel verfüllt oder beseitigt, weil sie für eine maschinelle Bewirtschaftung hinderlich waren. Mit ihnen gingen Lebensräume für Amphibien, Libellen, Wasserinsekten und zahlreiche weitere Arten verloren.
Großflächige Beweidung kann Landschaften nicht nur offenhalten. Sie erzeugt aktiv neue Strukturen und Lebensräume. Dabei hat sie vielfältige Wirkungen auf Biodiversität, Klima und Wasser:
Großflächige Beweidung lässt sich nicht nach einem einzigen Muster umsetzen. Die geeignete Form hängt von den Flächen, den vorhandenen Tierarten, den Naturschutzzielen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Die Betriebskonzepte können sich dabei unterscheiden. Manche Betriebe setzen die Beweidung vor allem aus Gründen des Naturschutzes um, andere verbinden Naturschutzleistungen mit einer wirtschaftlichen Nutzung der Tiere. Die Größe der Flächen, die Tierarten, die Vermarktungswege und der Anteil der Naturschutzfinanzierung sind dabei ausschlaggebend für die Umsetzung.
Die Erfahrung aus bestehenden Projekten zeigt: Erfolgreiche Systeme verbinden häufig mehrere dieser Bausteine miteinander.
Großflächige Beweidung bietet Chancen, stellt Betriebe aber auch vor besondere Herausforderungen. Eine zentrale Voraussetzung sind ausreichend große, zusammenhängende Flächen. Flächenzuschnitte von mehr als 100 Hektar sind für viele Betriebe nur durch Kooperationen, Flächentausch oder die Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen und öffentlichen Eigentümern erreichbar.
Zudem stellt die ganzjährige Weidehaltung hohe Anforderungen an das Management. Tiere müssen regelmäßig kontrolliert werden und Zugang zu ausreichender Nahrung, Wasser und geeigneten Rückzugsmöglichkeiten haben. Auch Witterungsschutz, Zufütterung und der Umgang mit kranken oder verletzten Tieren müssen geklärt sein. Die Rückkehr des Wolfes stellt Weidebetriebe vor zusätzliche Herausforderungen.
Für die Praxis bieten die Leitlinien für die tiergerechte ganzjährige Weidehaltung von Rindern und Pferden auf Naturschutzflächen eine wichtige Orientierung.
Für die Umsetzung großflächiger Beweidungsprojekte stehen über die erste Säule der GAP und je nach Bundesland unterschiedliche Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehören Maßnahmen der ersten Säule wie die Öko-Regelungen (ÖR), sowie ELER-Maßnahmen wie Beweidungs- und Mahdprogramme, aber auch Maßnahmen zur Entwicklung und Sicherung von Dauergrünland.

Ein Beispiel ist das Kulturlandschaftsprogramm KULAP in Thüringen. Dort wird die Ganzjahresbeweidung mit Rindern oder Pferden im Rahmen der Grünlandförderung unterstützt. In der Förderperiode 2023 bis 2027 sind für die Maßnahme "Ganzjahresbeweidung" je nach Variante 350 beziehungsweise 400 Euro pro Hektar vorgesehen.
Auch die Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland kann in verschiedenen Bundesländern gefördert werden. Dadurch lassen sich neue, dauerhaft begrünte Flächen schaffen, die anschließend Bestandteil großflächiger Beweidungssysteme werden können.
Eine Zusammenarbeit mit den unteren Naturschutzbehörden kann helfen, geeignete Flächen zu identifizieren, Naturschutzziele festzulegen und Fördermöglichkeiten frühzeitig in die Planung einzubeziehen.
Die DVS veranstaltete vom 18. bis 19. August 2026 einen Transferbesuch zum Thema “Großflächige Beweidung – Agrarumweltschutz und Landwirtschaft verbinden” in die Region rund um Erfurt.
Zudem wurde das Thema in unserem Magazin LandInForm Ausgabe 03/26 (S. 38) und Ausgabe 02/26 (S. 40) sowie im LandInForm Spezial (S. 20) aufgegriffen.
Veröffentlichungsdatum: 01.09.2026