Gemeinsam Zukunft anpacken

Ein Seminarangebot für LEADER-Regionalmanagements und Engagierte in der Dorfentwicklung

Workshop in Flegessen (Niedersachsen) vom 23. bis 25. April 2026

Programm (PDF, 121 KB)

Mit 25 engagierten Menschen aus der Dorfentwicklung und LEADER waren wir vom 23. bis 25. April zu Gast bei der Akademie des Wandels (AKW) in der niedersächsischen Dörfergemeinschaft Flegessen, Hasperde und Klein Süntel (FHKS). Unser Ziel: die vor Ort erfolgreich eingesetzten Methoden für einen selbstwirksamen Wandel der Dörfer kennenlernen und ausprobieren. 

"Sind wir in Bullerbü?" Dieses Gefühl ist unser stetiger Begleiter. Egal wo wir stehen oder gehen, überall freundlich grüßende Menschen. Der "Dienstplan" der ehrenamtlichen Helfer im aus Lehm und Stroh selbst gebauten und zu großen Teilen privat finanzierten Dorfladens ist komplett gefüllt. Und, als wäre das nicht schon genug, füttert genau in dem Augenblick, als wir den Dorfladen erreichen, eine Vogelmutter ihre Jungen im Nest direkt über der Eingangstür. Fast wie im Traum?

Was wir erleben und sehen, ist das Ergebnis eines über Jahre andauernden Prozesses in der Dörfergemeinschaft. Als vor über zehn Jahren die Schließung der Grundschule drohte, verfielen die Menschen nicht in Resignation, sondern nahmen mit viel Eigeninitiative ihre Zukunft selbst in die Hand. Heute wirken etwa 200 Personen dauerhaft an verschiedenen Projekten und Initiativen in den Dörfern mit. Sie arbeiten an gemeinschaftlichen Lösungen für die Nahversorgung, Mobilität, Energie und die pro-aktive Vermittlung von Leerständen. Nicht alle Träume sind schon Realität, aber viele Erfolge sind sichtbar: Neben der Gründung und dem Bau des vereinsgeführten Dorfladens, in dem es ausschließlich ökologische und regionale Produkte zu günstigen Preisen gibt, konnte auch das Pfarrhaus als Gemeinschaftswohn-, Begegnungs- und Veranstaltungsort erworben, mit viel Eigenleistung saniert und in das Eigentum der neu gegründeten Bürgerstiftung übertragen werden.

Die Akademie des Wandels

Aus gemeinsamen Träumen wird hier buchstäblich Realität, Schritt für Schritt. Aber was steckt hinter den Erfolgen und was können wir daraus lernen? In FHKS hat sich der Prozess des Wandels über die Jahre stetig weiterentwickelt und ist zum festen Bestandteil in der Dörfergemeinschaft geworden. Und dem nicht genug: Die Engagierten vor Ort möchten nicht nur sich selbst und das gemeinschaftliche Handeln stetig weiterentwickeln, sondern auch ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen, dass sie in ihrem Prozess des Wandels gesammelt haben. Sie möchten zeigen, dass sich der Wandel hin zu einer Lebensweise, die den heutigen und zukünftigen Generationen ein gutes und friedliches Leben ermöglicht, auch in anderen Dörfern mit den Menschen vor Ort gestalten lässt." Zu diesem Zweck haben sie die Akademie des Wandels (AKW) gegründet.

"Dabei steht nicht allein die Zukunftsfähigkeit der Dörfergemeinschaft im Zentrum des Engagements", machen Luisa Bienstein (Geschäftsführung der Akademie, Psychologin (M. Sc.)) und Henning Austmann (Freier Mitarbeiter der Akademie, 
Professor für internationales Management und Nachhaltigkeit), unsere Gastgeber von der AKW gleich zu Beginn klar. „Für gemeinschaftliche Lösungen in den Dörfern müssen immer auch globale Herausforderungen wie den Klimawandel, die Ressourcenknappheit und das Artenschwinden mitgedacht werden.“

Blick hinter die Kulissen

Im Seminar durften wir einen Blick hinter die Kulissen werfen: Welche Methoden haben geholfen, auch Menschen in der zweiten und dritten Reihe zu motivieren, sich mit ihren Kompetenzen für die Zukunftsfähigkeit der Dörfer zu engagieren? Wie ist es gelungen, die lokalen Bedürfnisse mit den globalen Herausforderungen in Beziehung zu setzen und im konkreten Handeln beides im Blick zu halten? 

Eine wichtige Erkenntnis der AKW ist, dass der notwendige Wandel mit einem Kulturwandel beginnt, den sie wie folgt beschreibt:

  • von Resignation zu begeistertem Träumen und Anpacken.
  • von Isolation zu verbundenem Miteinander.
  • von Überfluss zu Wertschätzung für nicht-materielle Lebensfreuden.
  • von Auf-Andere-warten zu selbst anpacken und einfach machen.
  • von Konkurrenz zu Kooperation.
  • von Problemen im Fokus zu Lösungen im Fokus.
  • von Ausbeutung zu Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Zentraler und handlungsleitender Grundsatz der Akademie: Wandelprozesse sind dann erfolgreich, wenn sie von einer starken Gemeinschaft getragen werden. Daher zielten viele der ersten Projekte darauf ab, das Miteinander zu stärken und Anschluss für möglichst viele Menschen zu schaffen. In der Dörfergemeinschaft erzeugen und erhalten beispielsweise gemeinsames Singen, gemeinsame Filmprojekte, gemeinsame Feste oder eine selbstgestaltete Zeitung den "sozialen Kleber".  

Diese "kleinen" Projekte mit schnell sichtbaren Erfolgen waren und sind sehr wichtig für den Wandelprozess. So hat die Dörfergemeinschaft zunächst nur Projekte initiiert, die ohne Fördermittel umgesetzt werden konnten, um durch das Warten auf Mittel nicht die Eigeninitiative auszubremsen. Erst viel später kamen für größere Sanierungsprojekte auch LEADER-Mittel dazu. Ein ausgedehnter Spaziergang führt uns zu den vielen Projekten und Initiativen, die in der Dörfergemeinschaft entstanden sind und zu deren Umsetzung ein lebendiger Erfahrungsaustausch unter allen Beteiligten stattfindet.

Global denken – lokal handeln

Zu einem erfolgreichen Wandelprozess gehört es auch, sich mit der schmerzhaften Realität auseinanderzusetzen. Im einzigen klassischen Powerpoint-Vortrag unseres Seminars zu den menschengemachten ökologischen und sozialen Fehlentwicklungen wird schnell deutlich:

Für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen (Klima, Artenvielfalt, Wasser, etc.) brauchen wir einen Lebensstilwandel. Zukunftsfähige Dorfentwicklung greift diese unvermeidbare Notwendigkeit auf und adressiert pro-aktiv die Potenziale, die Energiewende, Ernährungswende, Bau- und Wohnwende sowie Mobilitätswende insbesondere für den ländlichen Raum bieten. Im Seminar lernten wir nicht nur Methoden und Projekte kennen, sondern wir tauchten durch direktes Ausprobieren der "Werkzeuge" mit unserer Gruppe in einen Wandelprozess ein. Wir erlebten so selbst, auf welche Weise die Menschen der Dörfergemeinschaft gemeinsam getragene Visionen entwickelt haben, diese erfolgreich in konkrete Projekte überführen und umsetzen konnten. All das gibt es für Interessierte auch zum Nachlesen: Auf der Internetseite finden sich vielfältige Anregungen und Ideen, wie man aktiv werden kann. 

Was bleibt nach dem Seminar? Neue Werkzeuge für den eigenen Methodenkoffer, ein voller Kopf mit vielen Ideen für neue Projekte, zahlreiche Denkanstöße aus den lebendigen Diskussionen, eine lebendige Seminargruppe, die sich weiter treffen und vernetzen möchte, und vor allen Dingen eine ordentliche Portion Motivation für die nächsten Schritte zu Hause. 

Eindrücke vom Seminar

Kontakt

Marie Halbach
0228 68 45 26 14
marie.halbach@ble.de

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