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Tagung vom 10. bis 11. Juni 2026 in Lüneburg
Programm (PDF, 122 KB)
Das LEADER-Treffen 2026 in Lüneburg stand ganz im Zeichen der kommenden EU-Förderperiode ab 2028. Wenn gleichwohl noch unklar ist, in welcher Form sich die ländliche Entwicklung und LEADER darin wiederfinden, stehen LEADER-Aktive bereits jetzt vor der Herausforderung, mit ihren Zukunftsperspektiven umgehen zu müssen.
Woran halten wir uns, wenn sich gewohnte Orientierungspunkte verschieben? Woraus schöpfen wir Energie in Zeiten eines rasanten Wandels?
Zu Beginn des LEADER-Treffens standen diese Fragen im Fokus. In interaktiven Formaten haben die Teilnehmenden erkundet, was LEADER schon heute als Community und Netzwerk auszeichnet und wie sie mit diesen Stärken den Herausforderungen einer unsicheren Zukunft begegnen können.
Den Grundstein hierfür legte ein lebendiger Impulsvortrag von Boris Lebedev (Reinventing Society e. V.). Dieser zeigte unter anderem Perspektiven und Ansätze, die den Blick für lebenswerte Zukünfte öffneten und den Teilnehmenden positive Energie und Zuversicht für kommende Aufgaben lieferten. Eine "Infothek für Realutopien" hält diese und weitere Informationen zur eigenen Nachlese bereit.
Die inspirierende Stimmung im Raum übertrug sich auch in die anschließende Arbeitsphase. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden, welche Erfahrungsschätze und Gelingensgeschichten im LEADER-Netzwerk schlummern und wie diese Potenziale auch zukünftig zur Gestaltung von LEADER beitragen können.
Den Kern der Diskussionen brachten die Gruppen dann abschließend auf die Bühne. In kurzen Performances machten sie im Plenum erlebbar, welche Kreativität und Gestaltungsfreude in LEADER steckt.
Praktische Eindrücke von der LEADER-Arbeit in der Umgebung von Lüneburg erhielten die Teilnehmenden bei den Exkursionen in fünf LEADER-Regionen. Auf den Exkursionen konnten sie sich gelungene Projekte anschauen und sich mit Projektverantwortlichen sowie Regionalmanagements zu aktuellen Erfahrungen und Herausforderungen ihrer Arbeit austauschen.
Exkursionsziele waren:
Die Finanzierung von LEADER und die Frage, wo die ländliche Entwicklung in Zukunft "beheimatet" sein wird, waren zentrale Punkte in der Diskussion. Mit kurzen Vorträgen und Gesprächen zusammen mit sieben Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern haben wir sortiert, was bisher bekannt ist.
Im Juli 2025 hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag für den europäischen Haushalt 2028 bis 2034 vorgelegt, den sogenannten Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR). Der neue Haushalt soll einfacher, flexibler und damit besser geeignet sein, auf geopolitische Herausforderungen und Bedürfnisse der Mitgliedstaaten zu reagieren.
Ein wesentliches Merkmal des Entwurfs ist der große Anteil nicht-zweckgebundener Mittel, die im Rahmen der sogenannten Nationalen und Regionalen Partnerschaftspläne (NRPP) Politikfeldern zugeordnet werden können. Das bedeutet auch, dass für die Themenbereiche ländliche Entwicklung und LEADER kein Mindestbudget vorgesehen ist.
Trotz wachsenden Gesamthaushalts, wird es aufgrund der veränderten inhaltlichen Schwerpunkte Mittelkürzungen in verschiedenen Bereichen geben. Auch die bekannten Fonds soll es in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. Sabrina Repp, Mitglied des Europäischen Parlaments, wies darauf hin, dass die Vorschläge auch Chancen enthalten und dass es nichts nutze, zu versuchen den Status-quo zu erhalten. Dabei sei wichtig, aus dem Verteidigungsmodus herauszukommen und sich aktiv dafür einzusetzen, LEADER zu stärken.
Michael Schmitz vom Europabüro des Deutschen Landkreistags zeigte auf, dass der ländlichen Entwicklung schon in der Gegenwart, gemessen zum Anteil der Bevölkerung in ländlichen Räumen, unterproportional wenig Mittel zur Verfügung stünden. Für eine auskömmliche Ausstattung der ländlichen Räume müsse mehr getan werden. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass ländliche Entwicklung nicht zwischen Landwirtschaft und Städten zerrieben werde. Auf die europäischen Ziele, die auch die Unterstützung der ländlichen Räume beinhalten, bezog sich auch Hartmut Berndt von der Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen: Er sagte, dass die EU am eigenen Ast säge, wenn sie die Entwicklungsziele für ländliche Räume aufgäbe.
Nicht nur die uneindeutige Stellung von LEADER zwischen Agrar- und Kohäsionspolitik, sondern auch der interpretierbare Bezug eines zukünftigen LEADER zum Agrarsektor sorgte für Gesprächsstoff. Einig waren sich die Diskutierenden darin, dass LEADER mit einer auf Land- und Forstwirtschaft eingeschränkten Zielgruppe nicht sinnvoll ist. Die Gefahr bestehe aber, dass LEADER im NRPP an zwei Stellen verortet werden könnte, was zu einer komplexeren Abwicklung in der Praxis führen würde. Hier wurde auch von den Teilnehmenden eingefordert, dass die Chancen des NRPP, die sogar über einen Multifondsansatz hinausgingen, besser genutzt werden müssten. Sowohl die Landes- als auch von Bundesvertreter bestätigen, dass es Ansätze zur guten Zusammenarbeit der Ressorts gäbe, jedoch das Ressortprinzip weiterhin gelte. Vereinfachend wäre zudem, wenn zukünftige Länder-Richtlinien so gestaltet würden, dass es bundesweit einheitliche Vorgaben zur Förderung von gleichartigen Projekten gibt, so zumindest der Wunsch von Barbara Smith, Sprecherin der LEADER-Aktionsgruppen in Baden-Württemberg.
Eine weitere Herausforderung ist die noch offene Finanzierung von LEADER. Zum einen fehlt ein zweckgebundenes Mindestbudget und zum anderen ist die im Vergleich zur Gegenwart "geringe Kofinanzierung für LEADER eine Großbaustelle", so Bernd Söntgerath vom BMLEH. Hier sei es schwierig, innerhalb der Bundesregierung einen Konsens zu erreichen, da die Ressorts teilweise gegenläufige Interessen hätten.
Die geplante geringere Kofinanzierung durch die EU berge zudem die Gefahr, bestehende Ungleichgewichte zwischen leistungsfähigen Kommunen und solchen mit finanziellen Engpässen zu verschärfen, so Hartmut Berndt. Auch in Niedersachsen wird diese Herausforderung gesehen. Martina Weber vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium berichtete, dass ihr Ministerium anstrebe, diese Lücke zu kompensieren, allerdings sei dies herausfordernd und noch nicht im Haushalt gesichert.
Nach Kritik aus dem Europäischen Parlament auf die Vorschläge zum MFR ab 2028 reagierte die Kommission mit dem Vorschlag eines "Rural Target": Hierbei müssten zehn Prozent der nicht zweckgebundenen NRPP-Mittel in ländlichen Gebieten ausgegeben werden.
Das entspräche jedoch nicht einmal der Hälfte des jetzigen ELER, kritisierte Sabrina Repp. Ebenso stellte sie die Frage, wer die andere Hälfte, also die wegfallenden Mittel, überhaupt kompensieren könnte.
In diesem Zusammenhang kritisierte Hartmut Berndt die fehlende Klarheit, welche Ausgaben tatsächlich auf das "Rural Target" angerechnet werden könnten. “Ich habe das Gefühl, es werden Nebelkerzen geworfen”, sagte er.
Aus dem Kreis der Teilnehmenden kam der dringende Appell, doch mal deutlich zu zeigen, was passiert, wenn die durch LEADER unterstützten Ehrenamtlichen nicht tätig wären. Sabrina Repp ergänzte, dass das Verständnis bei vielen Politikern nicht da sei, welche Auswirkungen die Mittelkürzungen auf lokaler Ebene bewirken, wenn der über LEADER praktizierte Bottom-up-Ansatz als Breiteninstrument verloren geht. Sie verband dies mit Aufruf, auf allen politischen Ebenen – EU, Bund und Land – für diese Gefahren zu sensibilisieren. Zudem sei es wichtig, auch in anderen Bereichen Verbündete zu suchen, beispielsweise bei den Wohlfahrtsverbänden, in der kommunalen Familie und auch bei Unternehmen.
Barbara Smith berichtete, dass sich auch die LEADER-Regionen in Baden-Württemberg durch Aktionen bemühen, LEADER politisch zu stärken. Dass diese öffentlichen und im politischen Raum unternommenen Aktionen wahrgenommen werden, bestätigte auch Hartmut Berndt.
Die europäische Dimension von LEADER müsse wieder stärker ins Bewusstsein rücken, so ist sich Melanie Steinbacher vom “LEADER-forum Österreich” sicher. Zusätzlich forderte sie, dass die LEADER-Regionalmanagements sich ihrer Rolle als strategische “Regionalentwicklungsagenturen” bewusst werden müssten und nicht nur “Abwickler” eines Förderprogramms sein sollten. Dabei verwies sie auf den Visions- und Strategieprozess des LEADER-forum Österreich, den sie zu Beginn der Diskussion vorgestellt hatte.
Angesichts des ambitionierten Zeitplans kam die Frage nach der Verlängerung der laufenden Förderperiode auf – also einer Übergangsregelung. Selbst wenn es dafür Anzeichen gäbe, ist die offizielle Linie, dass die neue Förderperiode am 1. Januar 2028 beginnen soll. Allerdings ist die politische Lage sehr dynamisch und anstehende Wahlen könnten beschleunigende Auswirkungen haben. Dementgegen steht, dass auch national politische Einigungen, organisatorische und technische Voraussetzungen getroffen werden müssten.