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Online-Workshop am 12. November 2025
Programm (PDF, 134 KB)
Die Aufgabenlast kleiner Kommunen in ländlichen Räumen ist groß – bei gleichzeitig häufig sehr angespannter Haushaltslage. Themen wie die Energiewende schaffen es daher selten oben auf die Tagesordnung. Denn die knappen Ressourcen in Form von Personal, Fachwissen und Geld machen es schwer, in diesem Themenfeld strategisch zu vorzugehen. Dabei könnte der Ausbau erneuerbarer Energien und die Einsparung von Energie ein Beitrag zur Lösung vieler Herausforderungen in sein.
Es können beispielsweise zusätzliche Einnahmequellen für Kommunen erschlossen, Energiekosten reduziert, finanzielle Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern angeboten und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Interkommunale Unternehmen sind in manchen Regionen ein Weg, um diese Potenziale zu heben.
Knapp 80 Teilnehmende aus LEADER- und ILE-Regionen sowie ländlichen Kommunen konnten im Rahmen einer DVS-Online-Veranstaltung im November bei gleich vier Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen werfen:
Christoph Zeis, Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG)
Den Anfang machte Christoph Zeis, Geschäftsführer der EDG, welche 1998 gegründet wurde. Das Unternehmen hat aktuell 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einen Jahresumsatz 26 Millionen Euro. Gesellschafter sind drei Landkreise, neun Verbandsgemeinden, eine Stadt sowie zwei Anstalten öffentlichen Rechts. Er gab einen Überblick über die Geschäftsmodelle und Tätigkeitsfelder seines Unternehmens.
Rechtsanwalt Christian Sudbrock, Verband Kommunaler Unternehmen e. V. (VKU)
Die Gründung eines interkommunalen Unternehmens ist mit vielen rechtlichen Fragen verknüpft. So gelten in den Bundesländern unterschiedliche Regeln, unter welchen Voraussetzungen Kommunen wirtschaftlich tätig sein dürfen. Einen Überblick zu den rechtlichen Grundlagen gab Christian Sudbrock, Senior Fachgebietsleiter Wirtschaftsrecht im Bereich Recht beim Verband Kommunaler Unternehmen e. V.
Bei drei der vier vorgestellten Unternehmen spielten LEADER oder die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) in der Startphase eine zentrale Rolle: Die Netzwerkstrukturen dieser beiden Ansätze zur Förderung der Regionalentwicklung waren ein guter Anknüpfungspunkt, um die interkommunale Zusammenarbeit anzubahnen. Zudem konnten mit Förderungen Machbarkeitsstudien finanziert werden, die den Grundstein zur Unternehmensgründung legten, oder Personalstellen für die Startphase ermöglicht werden.
Christian Fechter, Regionalmanager der LAG Chiemgauer Seenplatte
Michael Perkmann, 1. Vorstand des Regionalwerks
Das interkommunale Unternehmen Chiemgau-Rupertiwinkel gkU ist in der Startphase gleich durch vier LEADER-Regionen unterstützt worden: Sie finanzierten eine Machbarkeitsstudie, die den Grundstein für die Unternehmensgründung gelegte. Diese erfolgte 2020 mit zunächst mit 16 Gemeinden. Heute sind 35 Kommunen Gesellschafter des Unternehmens.
Inhaltlich legt das Regionalwerk derzeit einen Fokus auf den Aufbau eines Regionalstrommodells, eine koordinierte Wärmewende in der Region sowie Dienstleistungen für die beteiligten Kommunen. Über die Anbahnung der Unternehmensgründung berichtete Christian Fechner, Geschäftsführer und Regionalmanager der LAG Chiemgauer Seenplatte. Einblicke in den aktuellen Geschäftsbetrieb gewährte Michael Perkmann als 1. Vorstand des Regionalwerks.
Doris Beer, AOVE GmbH, Vorständin des Regionalwerks
Das gemeinsame Kommunalunternehmen Regionalwerk Amberg-Sulzbach gKU wurde zum 1. Januar 2025 gegründet. Sieben Kommunen der ILE AOVE aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach haben sich zusammengeschlossen, um über das Unternehmen gemeinsam die Energiewende aktiv zu gestalten.
Geplant sind Windkraft- und Photovoltaikprojekte mit mindestens 51% kommunaler Beteiligung. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen aktiv eingebunden werden, um eine breite Akzeptanz und Unterstützung zu sichern. Zusätzlich wurde die Wärmeplanung interkommunal in Angriff genommen, um Synergien mit bestehenden Energiegenossenschaften zu nutzen.
Vorständin Doris Beer berichtete von dem langjährigen Engagement der AOVE im Handlungsfeld erneuerbare Energien als auch vom Gründungsprozess und den ersten Schritten des Regionalwerks Amberg-Sulzbach.
Ernst-Ludwig Wagner, MdL a. D., LEADER-Regionalmanager a. D.
Norbert Mai, Bürgermeister a. D., Direktor der J+P Gruppe, Aufsichtsrat der Lahn-Dill-Bergland Energiegenossenschaft e. G.
Die Lahn-Dill-Bergland-Energie GmbH ist eine Gesellschaft in Hessen, die unter anderem durch das Engagement des ehemaligen Regionalmanagers der LEADER-Region Lahn-Dill-Bergland e.V. gegründet worden ist.
Die Gesellschaft ist zu 60% in der Hand von Kommunen und kommunalen Betrieben, 30% von lokalen privaten Betrieben und zu 10% in der Hand einer Bürgergenossenschaft. Die Gründung erfolgte bereits 2016. Die GmbH ist an zwei Freiflächenphotovoltaikanlagen, einem Windpark und einem Wasserkraftwerk beteiligt. Ein weiterer Windpark ist derzeit in der Umsetzung.
Ernst-Ludwig Wagner, ehemaliger Regionalmanager, als auch Norbert Mai, zu Gründungszeiten amtierender Bürgermeister, waren beide maßgeblich an der Gründung beteiligt. Sie gaben uns Einblicke sowohl in die Gründungsgeschichte wie auch die aktuellen Projekte.
Beispielhaft finden Sie nachfolgend Hinweise zu vier weiteren interkommunalen Unternehmen, die in ländlichen Regionen im Handlungsfeld der Energiewende tätig sind:
Wir möchten zudem darauf hinweisen, dass die bayerische Verwaltung für ländliche Entwicklung 2019-2021 eine Machbarkeitsstudie beauftragt hat, mit der die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen zur Gründung von interkommunalen Gemeindewerken erarbeitet wurden. Darauf aufbauend fand ein Coaching für Kommunen statt.
In der Folge haben sich in Bayern einige interkommunale Unternehmen gegründet, unter anderem das vorgestellte Regionalwerk Amberg-Sulzbach. Einige weitere Informationen dazu finden sich auf der Website “Klimachancen” der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung: KlimaChancen – Vom Land, für die Zukunft.
Die Landesagentur für Energie und Klimaschutz Bayern (LENK) hat einen Leitfaden veröffentlicht der grundlegende Hintergrundinformationen zu interkommunalen Energiegemeinschaften, Hinweise zur Gründung sowie Erfolgsfaktoren und Beispiele bereithält.

Marie Halbach
0228 68 45 26 14
marie.halbach@ble.de