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Durch 3D-Visualisierungen und den Einsatz interaktiver moderner Medien sollen Potenziale der Innenentwicklung zusammen mit Bürgern, Politik und Verwaltung aktiviert werden. Foto: AktVis.
05.07.2019
Projektträger: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Hans Joachim Linke
Technische Universität Darmstadt
Franziska-Braun-Straße 7
64287 Darmstadt
E-Mail: linke@geod.tu-darmstadt.de
nein
Fördermaßnahme "Kommunen innovativ" des BMBF.
1. März 2017 bis 28. Februar 2019
Die Entwicklung von Städten und Gemeinden soll ressourcenschonend und demografieresilient gestaltet sein. Dies erfordert eine dauerhaft etablierte Aktivierung bestehender Flächenpotenziale im Siedlungsbestand (Innenentwicklung). Die Bemühungen der Kommunen bei den Entwicklungen von Flächen im Ortsinnern scheitern oftmals dort, wo die Kommune keinen Zugriff auf die zu entwickelnden Flächen hat und die Einzelinteressen der Immobilieneigentümer gegenläufige Tendenzen besitzen. Hier setzt das Forschungsprojekt durch eine frühzeitige und intensive Einbindung der Immobilieneigentümer und -nutzer an. Durch 3D-Visualisierungen und den Einsatz interaktiver moderner Medien sollen Potenziale zusammen mit Bürgern und Eigentümern aktiviert werden sowie Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit am Prozess mitwirken.
Die drei beteiligten Kommunen Bensheim, mit dem Ortsteil Langwaden, der alte Ortskern von Münster (Hessen) sowie der Ortsteil Ober-Klingen der Gemeinde Otzberg liegen in Südhessen. Sie verfügen über Gebäude- und Grundstücksstrukturen, die nicht mehr den aktuellen Anforderungen an das Wohnen entsprechen. Neben der alten Gebäudesubstanz in den historischen Ortsbereichen bestehen dort zudem Erschließungs- und Parkraumprobleme sowie Defizite in der Versorgungssituation und teilweise ein erheblicher Leerstand inklusive Bevölkerungsrückgang. Da die Kommunen in den Untersuchungsräumen kaum über eigene Flächen verfügen, bedarf es vor allem der Einbindung und Aktivierung der Bevölkerung, um die vorhandenen Potentiale für eine nachhaltige Entwicklung nutzen zu können.
In AktVis arbeitete die TU Darmstadt mit dem Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung IGD sowie den drei Projektkommunen und dem Regionalmanagement Darmstadt-Dieburg zusammen. Mehrere Ansätze für eine Forcierung einer Innenentwicklung mit dem Fokus auf kleine und mittlere Kommunen haben sich in der Projektlaufzeit herauskristallisiert. Es zeigte sich, dass Innenentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe betrachtet werden muss in die der gesamte Ort einzubeziehen ist. Hierbei ist das Zusammenspiel aller Maßnahmen und Projekte entscheidend. Denn Innenentwicklung muss sich mit vielfältigen Interessen und Konflikten auseinandersetzen, die wiederum nur kooperativ und gemeinsam bewältigt werden können. Für drei Kommunen in Südhessen wurden durch das Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Wissenschaft sowie privaten und wirtschaftlichen Akteuren neue Methoden zur Aktvierung von Innenentwicklungspotenzialen erarbeitet und getestet. Dabei spielt die Sensibilisierung der Bürgerschaft für die Notwendigkeit und den Mehrwert einer Innenentwicklung vor Ort eine entscheidende Rolle. Die Aktivierung der Eigentümer ist ausschlaggebend, da diese aufgrund ihrer Verfügungsgewalt über Grundstücke wichtige Schlüsselpersonen darstellen. Die wechselseitige Abhängigkeit im Bereich Eigentum der öffentlichen Hand und Privaten erfordert eine kommunikative Ausgestaltung. Dafür stehen verschiedene Instrumente und Methoden zur Verfügung; unter anderem eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerworkshops oder die Eigentümeransprache.
Eine weitere wichtige Komponente bei der Aktivierung ist die Visualisierung. Durch sie kann der betreffende Raum und dessen Umgebung für die Bürgerschaft räumlich erfahrbar abgebildet werden. Sie präzisiert etwa in Beteiligungsveranstaltungen die sprachliche Darstellung, wirkt anregend und vermag so auf die Problemstellungen der Flächeninanspruchnahme zu lenken. Entscheidend ist, dass eine interaktive Ortsentwicklung mit ihren Werkzeugen zur aktiven Gestaltung und der Verfassung von Anmerkungen die passive Betrachterrolle aufbricht. Dafür wurde ein webbasiertes GIS (WebGIS) entwickelt, das gleichzeitig eine Verknüpfung von Vor-Ort-Beteiligung mit Online-Partizipation ermöglicht. Veränderungen der Siedlungsstruktur mit einem interaktiven WebGIS lassen sich schneller und visuell eindrücklicher vornehmen als bei klassischen Planungsmethoden, wie Holzmodellen oder 2D-Plänen. Digitale 3D-Modelle erlauben einen intuitiven Zugang zum Raum. In Planungsprozessen können durch solche virtuellen Modelle und unterschiedliche Funktionalitäten Bürger beteiligt, informiert und beraten werden. Ergänzt wurden die Beteiligungsangebote durch ein individuelles Beratungsangebot. Unter anderem wurden hier Baulückenschließungen, Wiederbelebungen von Leerständen sowie Umnutzungen von Nebengebäuden erörtert. In diesen Gesprächen sollten die Eigentümer ihre Ideen und Wünsche für eine denkbare bauliche Veränderung möglichst konkretisieren. Ziel war es gemeinsam weitere Handlungsschritte im Prozess der baulichen Veränderung einzuleiten.
Obwohl die in AktVis angewandten Ansätze grundsätzlich zufriedenstellende Resultate erzielten, zeigte sich, dass eine bloße Erweiterung der Beteiligungs- und Kommunikationsmöglichkeiten nicht ausreichend ist. Der intensive Dialog ist der erste wichtige Schritt und eine mehrstufige Einbindung aller Akteure unter Zuhilfenahme einer 3D-Visualisierung kann die Kommunikation langfristig verbessern. Die Stellschrauben für eine Aktivierung der Innenentwicklungspotenziale liegen jedoch auch an anderen Stellen. Um die Strategien anzuwenden und für eine weitere Unterstützung des Zieles "Innen vor Außen" sind auf der kommunalen Ebene Veränderung nötig, die die Unterstützung durch weitere politischen Ebenen dringend voraussetzt. Innenentwicklung muss als komplexe Managementaufgabe verstanden werden, die im Vergleich zu Aufgaben in der klassischen Außenentwicklung einen erhöhten Planungs- und Abstimmungsaufwand beinhaltet.
Übertragbare Strategien zur
Felix Kupfernagel
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