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Schüler und Studierende nutzen professionelles Equipment, um Akteure und Zeitzeugen am "Grünen Bad" zu interviewen. Bild: Grenzenlos Wege zum Nachbarn e. V.,
13.07.2024
ja
30. September 2020 bis 30. September 2022
Am Anfang unseres Projekts stand der Wunsch, in zwei benachbarten Regionen beiderseits der als "Grünes Band" bekannten ehemaligen innerdeutschen Grenze Jugendliche für die Geschichte der deutschen Teilung zu interessieren. Sie sollten nach Spuren der Grenze suchen und Zeitzeuginnen und -zeugen interviewen.
Schnell wurde uns klar, dass dieses Thema eine andere Herangehensweise als ein klassischer Jugendferienworkshop verlangt. Wir suchten nach Familienteams: Jugendliche, die zusammen mit ihren Eltern und ihren Großeltern in einen kreativen Austausch über die Geschichte, und die bis heute spürbaren Auswirkungen der Teilung gehen und gemeinsam kurze Filme drehen. Auch diese besondere Situation sollte ebenfalls filmisch dokumentiert werden, weil wir zeigen wollten, wie der Dialog sowohl über Landes- als auch über Generationengrenzen funktionieren kann.
Nach mehreren Vorbereitungs- und Kennenlerntreffen sowie einer gemeinsamen Kick-off-Veranstaltung drehten die 35 Teilnehmenden in zwei jeweils einwöchigen Workshops neun Kurzfilme, Reportagen, Interviews, aber auch sehr persönliche Essays. Vier Filmdozentinnen und -dozenten unterstützten sie bei ihrer Arbeit. Zur inhaltlichen Vertiefung wurden Zeitzeugen eingeladen, die in der Geschichtsvermittlung aktiv sind.
Ein eigenes kleines Doku-Filmteam begleitete die Teilnehmenden bei ihren Projekten. Deren Material wurde am Ende mit den Beiträgen der Teilnehmenden zu einem rund 80-minütigen Langfilm zusammengeschnitten, der seither in den beiden Regionen schon viele Male öffentlich gezeigt wurde.
Die Idee zum Projekt kam den Initiatoren in der "Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn": Die Frage war, wie an die Geschichte der ehemaligen innerdeutschen Grenze erinnert werden kann. Es kam der Gedanke auf, dass insbesondere Kinder und Jugendliche die schwierige Situation der lange Zeit hermetisch abgeschlossenen Grenze nicht mehr kennen können. Ältere Zeitzeugen sprachen immer seltener über ihre Erlebnisse. Bereits im Vorfeld gab es Überlegungen, die Geschichte des Braunkohleabbaus im Helmstedter Revier durch Jugendliche filmisch darstellen zu lassen. Der Braunkohleabbau geschah zur gleichen Zeit im selben Revier durch beide deutsche Staaten.
Die Initiative ging von den beiden LEADER-Regionen "Grünes Band im Landkreis Helmstedt" in Niedersachsen und "Flechtinger Höhenzug" in Sachsen-Anhalt aus. Das sogenannte Grüne Band ist ein Geländestreifen zwischen der ehemaligen innerdeutschen Grenze und dem Kolonnenweg, auf dem die Grenzer patrouillierten. Beide LEADER-Regionen eint eine Kooperationsvereinbarung, an die Grenzgeschichte zu erinnern und die Menschen beidseitig des heutigen Grünen Bandes miteinander zu versöhnen und zu verbinden.
Ebenfalls beteiligt ist der Verein "Grenzenlos – Wege zum Nachbarn e. V." aus Helmstedt. Er wird vom Wunsch getragen, Grenzen in den Köpfen der Menschen abzubauen. In Helmstedt, von 1949 bis 1989 Grenzübergang von der BRD in die DDR, will der Verein seinen Beitrag zur Einheit Deutschlands leisten. Das Projekt Grenzenlos zielt auf die Überwindung persönlicher, kultureller und sprachlicher Grenzen. Die Gemeinde Hohe Börde im Landkreis Börde fand sich bereit, als Projektträgerin in Sachsen-Anhalt mitzuwirken.
1. Planung und Vorbereitung
2. Filmworkshops
3. Postproduktion, Verwertung, Veröffentlichung
4. Nachbereitung
Mit dem sowohl grenz- als auch generationenübergreifenden Projektansatz wurde ein innovativer Beitrag zur Auseinandersetzung mit Geschichte geleistet.
Das Projekt hat so viel Begeisterung bei den Beteiligten und Neugier in den Regionen geweckt, dass die Suche nach dem "zwischen uns" in Folgeprojekten weiter geht: Mittlerweile wurde eine Reihe von vier "zwischen-uns-Erzählcafés" mit rund 130 Teilnehmenden in der Region „Grünes Band im Landkreis Helmstedt“ durchgeführt, aus deren Beiträgen im Moment eine interaktive Website in Form eines wachsenden Audioarchivs erstellt wird. In einem weiteren Folgeprojekt soll eine Serie von „zwischen uns Podcasts“ produziert werden.
Felix Kupfernagel
0228 68 45 31 19
felix.kupfernagel@ble.de